beijing hat eine u-bahn.
im augenblick gibt es zwei linien.
eine linie fährt quadratisch um das stadtzentrum.
eine linie fährt quer durch das untere drittels des quadrats.
also einmal im kreis/quadrat, einmal von west nach ost und zurück.
man bezahlt einmal eintritt in die höhle der u-bahn (3rmb = 30 eurocent).
teilweise gibt es sogar rolltreppen in den schlund.
dann kann man, wenn man möchte (masochistisch veranlagte), den ganzen tag dort bleiben und rumsitzen oder u-bahn fahren.
die u-bahn ist sehr schnell.
man erreicht sein ziel schneller als mit dem auto.
alle fünf minuten fährt eine u-bahn an den haltestellen ein.
kein langes warten.
alle stationen werden in der u-bahn auf chinesisch und auf englisch angesagt.
auf chinesisch mit zehn mal soviel wörten als auf englisch (lost in translation).
hört sich alles toll an, oder?
jede haltestelle hat kioske für diverse reiseutensilien.
zeitungen, essen, koffer, mode, etc.
es gibt dvd raubkopien aus dem koffer, haustiere, plastikspielzeug, landkarten.
diese fliegenden, manchmal fliehenden händler sind illegal dort.
es ist verboten.
jede haltestelle hat auch einen "waschraum" (toilette) für notfälle (n-o-t-f-ä-l-l-e!)
in den u-bahnen das gewohnte bild aus anderen u-bahnen dieser welt.
fliegende händler (zeitung, essen), bettler pur, bettler singend.
auch verboten.
soweit alles bekannt.
was macht die u-bahn in beijing so besonders?
es sind die passagiere.
aus tokyo kennen wir die bilder von der vollgestopften u-bahn.
gibt es hier auch.
eigentlich mögen die chinesen keinen körperkontakt, vor allem nicht mit fremden.
dieses gesetz scheint in der u-bahn nicht zu gelten.
auch bekannt.
was ist also das besondere?
es ist das ein- und aussteigen.
mein lieblingsschauspiel findet alle fünf minuten seinen höhepunkt in fu xing men.
dort steigen die meisten leute aus, ein, bzw um.
es ist eine von zwei haltestellen die "quadratlinie" zur "horizontallinie" zu wechseln und umgekehrt.
alle steigen gleichzeitig ein und aus.
gleichzeitg.
es ist genug zeit diesen vorgang schrittweise zu vollziehen.
erst aussteigen lassen, dann einsteigen.
nein.
gleichzeitig.
aber nicht die einen links, die anderen rechts.
das ganze hat eher den charme von panik, massenflucht.
aus der "quadratlinie" ausgestiegen muss man ein stockwerk tiefer zur "horizontallinie".
treppe, keine rolltreppe.
wieder drängeln.
unten angekommen wieder das gleiche schauspiel.
tiere in panik.
persönlich erlebter höhepunkt war folgendes:
diese panikverhalten passiert zu stosszeiten.
ansonsten kann man relativ entspannt u-bahn fahren.
auch das ein- und aussteigen ist nicht wirklich wild.
ich stehe also in der nicht vollen u-bahn.
eine junge, zierliche frau steht an der tür.
wahrscheinlich wird sie an der nächsten station aussteigen.
die lautsprecher durchsage kündigt die nächste haltestelle an.
nach einer ansage verbleiben meistens noch ca.30 sekunden bis zum erreichen der haltestelle.
ein grosser, robuster herr, mitte 40 stürmt auf die tür zu.
dabei wirft er sehr brachial die junge frau zu boden.
als wäre sie nicht sichtbar.
kein entschuldigen.
sie ist wie nicht vorhanden für ihn.
keiner der fahrgäste, ausser mir, sagt etwas.
argh!

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